KUNTERBUNTE THEMEN, Persönliches, Weihnachtliches, Weihnachts- und Winterträume

Adventszeit aus alten Kindertagen

 

Adventszeit aus alten Kindertagen,
 
in der es noch keine Weihnachtsmänner gab.
Wir Kinder mussten uns artig vertragen,
dann war in Christkind‘ s Werkstatt alles auf Trab:
 
Dort wurde gebacken bis der Himmel glühte,
gebastelt, gewerkelt, genäht.
Das Christkind sich so sehr bemühte
unermüdlich von früh bis spät.
 
Es gab in meinem Zuhause ein Weihnachtszimmer,
das nur Eltern und Engel betraten,
dort wurden alle Geschenke immer
eingeflogen und bloß nicht verraten.
 
Wie oft vor der Tür ich lauschte,
was dahinter sich wohl verbarg.
Ich hörte manchmal, wie es leise rauschte.
Von wem das wohl nur sein mag?
 
Es waren die Engelsflügel, die leise durch‘ s Fenster schwangen
und manches Mal mit glockenhellen Stimmchen ein Lob an‘ s Christkind sangen.
Ja, meiner Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.
Es war eine Zeit voller Wunder.
Es gab keine Eile und keine Hetz,
sondern viele in Ehrfurcht staunende Kinder.
 
Wo ist der Zauber aus lang vergangenen Kinderjahren,
in denen wir noch in spannender Erwartung waren?
Wann kommt wieder das Geheimnisvolle in die Zeiten,
indem wir ihrem Sinn entsprechend die Feste vorbereiten?
Die Zeiten der verschlossenen Türen
und dem geheimnisvollen Knistern,
in denen wir die Engel wieder spüren
und vor dem Schlüsselloch hören,
wie sie leise flüstern …
 
Text und Bild © Sabina Boddem
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Denkt euch, ich habe das Christkind … Kindheitserinnerungen an die 60ger Jahre

Vom Christkind

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,

mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,

denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack –

denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!

Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Anna Ritter (1865-1921)

Dieses Gedicht war mein Lieblingsweihnachtsgedicht in meiner Kindheit. Es war das erste, das ich schon auswendig vor dem Christbaum aufsagte, als ich noch nicht zur Schule ging. Jedes Jahr stand ich da, und mein persönlicher Schlusssatz lautete  stets: „Es roch so nach Äpfeln, Nüssen und Puppenküchen!“ Ich wünschte mir doch so sehr eine Puppenstube. Dann, an irgendeinem Weihnachtsfest, durfte ich sie endlich auspacken, meine erste Puppenstube. Damals wurden sie noch von Hand gezimmert. Der Schreiner in meinem Heimatdorf Kalkum, das heute zu Düsseldorf gehört, hatte sie angefertigt. Ja, wir hatten sogar noch einen echten Dorfschmied, bei dem wir immer zuschauen durften, wie die Pferde neu beschlagen wurden. Es gab also den Schreiner, den Hufschmied, dann noch den Briefträger, den Anstreicher, die Frau Schiffer aus dem Tante-Emma-Laden, dem einzigen Laden im ganzen Unterdorf und die Bauern. Bei dem einen Bauer holten wir abends in den alten Milchkannen, die man heute nur noch im Museum bestaunen kann, die frische Milch von Kühen, die noch saftige Weiden kannten. Von dem anderen Bauer erhielten wir immer Eier von damals noch wirklich glücklichen und frei laufenden Hühnern. Die Tochter dieses Bauern war eine meiner Freundinnen. Ich durfte ihr schon mal helfen Eier zu verkaufen. Könnt Ihr Euch heute noch ein kleines Mädchen vorstellen, das vorne und hinten das schwere Fahrrad bepackt hatte mit Eiern und mich noch zusätzlich auf dem Gepäckträger mitnahm, wenn die Taschen hinten schon leer waren? Früher musste das funktionieren. Wehe die Eier gingen mal zu Bruch, dann gab es Ohrfeigen, denn die Eltern waren echt streng früher, auch meine eigenen. Das Spielen auf dem Bauernhof hingegen war ein Traum, den die Kinder heute höchstens aus alten Astrid-Lindgren-Filmen oder aus Heidigeschichten kennen. Ja, spielen auf dem Land war damals unbeschreiblich schön. Ich glaube, wenn das nicht gewesen wäre, wir hätten so manches nicht so gut verpacken können. Aber wir spielten noch –  im Gegensatz zu den Kids heute. Wir machten Rollenspiele, waren kreativ und hatten jede Menge Fantasie. Das war allein schon Spieltherapie pur, die heute von Therapeuten – u. a. habe ich so gearbeitet –  angeboten wird, damit die Kinder wieder lernen, sich selbst zu spüren … So hat doch jede Zeit ihre Schatten- und Lichtseiten! Ich merke, wie ich mich aber auch manches Mal ertappe bei dem Satz: „Ja, früher war alles viel schöner.“ Hm, dafür hatten wir jedoch andere Sorgen. Doch das möchte ich an dieser Stelle hier nicht vertiefen, denn ich habe nicht die Absicht, meinen kleinen Ausflug in meine Landkindheit zu trüben.

Es ist Weihnachtszeit, deshalb fand ich dieses Gedicht im Google, was mich eben ganz spontan an das alles denken ließ. An die Zeit, als in der großen Wohnküche tagelang gebacken wurde: Riesige Christstollen mit Marzipan, unzählige Gläser mit Spritzgebäck, Makronen aller Arten, ausgestochene Plätzchen, die mit Eigelb bestrichen wurden und Vanillekipferl. Es waren tatsächlich Unmengen, denn ich hatte fünf Halbgeschwister. So war das Haus an Weihnachten richtig voll. Wir durften früher noch nichts vor Weihnachten von dem Gebackenen essen, so wie es auch nicht üblich war, den Christbaum schon vorher zu sehen. Bei uns war es Brauch, am ersten Weihnachtstag früh morgens mit den Kindern zu bescheren, die noch zu Hause lebten. Die anderen, schon Verheirateten, die bereits selbst Kinder hatten, kamen am zweiten Weihnachtstag, an dem es noch eine eigene Bescherung für sie gab.  Heiligabend wurde nicht gefeiert. Am ersten Weihnachtstag standen wir gespannt vor der Wohnzimmertür bis das helle Glöckchen erklang. Dann betraten wir „Ihr Kinderlein kommet“ singend das Weihnachtszimmer.  Nachdem wir vor dem Tannenbaum mehrstimmig alle traditionellen Lieder gesungen hatten, durften wir die Geschenke auspacken. Danach wurde an dem festlich geschmückten Kaffeetisch – damals noch mit dem guten Festtagsporzellan und dem Silberbesteck und der handbestickten Weihnachtstischdecke – gefrühstückt, und es gab zum ersten Mal unseren Christstollen und die Plätzchen. Anschließend fuhren wir in die Düsseldorfer Altstadt zur Maxkirche, in der schon damals die Konzertmessen stattfanden. Dort trafen wir auch die älteren Geschwister, Tanten, und Onkel. Zuhause wieder angekommen besuchten wir mit einigen Geschwistern die Nachbarn, zwei ältere alleinstehende Damen, die in einem alten Fachwerkhäuschen lebten, in dem es immer so pilzig roch. Aber es hatte was, denn es erinnerte mich immer daran, dass Weihnachten war. Bei den beiden Fräuleins, so wurden sie ja früher genannt, bekamen wir selbstgebackene, staubtrockene, viel zu süße Plätzchen, verschrumpelte Äpfel, aber auch leckere Nüsse aus dem eigenen Garten. Traditionsgemäß  sangen wir den beiden Frauen zum Dank im Chor mehrstimmig oder im Kanon die Weihnachtslieder vor, bis die Tränen vor Rührung kullerten. Schließlich waren wir als musikalische Familie im ganzen Ort bekannt und mussten des öfteren vorsingen oder musizieren. Damals kannte man die Kelly Family noch nicht. Aber es gab einen alten Heimatfilm aus den fünfziger Jahren, in dem die Trapp Familie mit ihrem Gesang berühmt wurde, und nach der wurden wir häufig benannt. 🙂

Ja, so könnte ich noch stundenlang weiter schreiben. Doch ich möchte Euch nicht langweilen mit meinen Ausschweifungen in meine Kindheit. Ich will sie auch nicht glorifizieren, denn wie eingangs schon erwähnt, haben wir es auch nicht leicht gehabt. Ich konnte in meinem Leben vieles aufarbeiten, und das auch mit professioneller Unterstützung. Ich habe es geschafft, mich von alten Lasten zu befreien, die Menschen loszulassen, die mir nicht gut getan haben und auch denen den Rücken zu kehren, die wissend sind, aber nichts wissen möchten. Ich bin buchstäblich im Frieden und möchte ebenso in Frieden gelassen werden. Mir geht es gut, und ich begleite schon sehr lange andere Menschen professionell auf ihrem individuellen Weg der Aufarbeitung. Ich bin der Meinung, dass jede Seele sich das aussucht, was sie für ihr ganz individuelles Wachstum braucht, auch wenn das manches Mal unbegreiflich erscheint angesichts des Missbrauchs, der Krankheit oder sonstigen Leides, dem manches Kind schon von klein auf ausgesetzt ist. Trotzdem glaube ich fest daran, dass alles doch einen Sinn hat.

Und dessen besinne ich mich zur Weihnachtszeit in Dankbarkeit, weil ich vieles durchlebt habe, und aus mir das geworden ist, was ich heute bin. So möchte ich jedem Mut machen, der zweifelt oder sich verändern möchte, aber sich noch nicht traut und der den Weg zu sich selbst gehen möchte, auch wenn das Ziel noch unbekannt ist.

In diesem Sinne wünsche ich allen von Herzen noch eine besinnliche und geruhsame Weihnachtszeit!

www.farben-reich.com

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Die kleine Weihnachtsgeschichte von einem Wunsch, der wahr wurde

Es geschah an einem kalten Wintertag …


Düssldorf Altstadt in der Weihnachtszeit

Der Wind blies eisig durch die verschneiten Straßen der Großstadt. Hastig eilten die Menschen an hell erleuchteten Schaufenstern vorbei. Einige suchten nach Weihnachtsgeschenken, manch einer aber beeilte sich, um nach Hause in‘ s Warme zu kommen. Natürlich gab es auch welche, die sich nach Feierabend auf einen Glühwein an der Weihnachtsmarkthütte freuten.

In dem allabendlichen Getümmel bemerkte niemand das kleine zitternde Fellknäuel, das zusammengekauert in der Schaufensternische eines leer stehenden Ladens saß. Ganz nahe an den Mauersockel gepresst hockte es da und leckte sich ein Pfötchen, weil sich ein Kieselsteinchen eingedrückt hatte und fürchterlich juckte. Fellknäuelchen ging es gar nicht gut. Eiskalt waren die Pfötchen – von dem Hunger, dem Durst und dem Gefühl der Verlassenheit mal ganz abgesehen.

In der Zwischenzeit, gar nicht weit entfernt, stand einer der vielen Menschen vor dem Schaufenster eines Spielzeugwarenladens und betrachtete in Gedanken versunken die bunte Pracht an Stofftieren, die sich in einer von Kunstschnee glitzernden Landschaft um einen mit roten Kugeln und silbernen Lametta geschmückten Tannenbaum versammelten. Der Mensch lebte alleine. Im Laufe der Jahre war es ruhig um ihn herum geworden. Nahestehende Menschen waren gestorben, liebe Freunde gab es, aber sie hatten natürlich ihre eigene Familie und damit verbundene Aufgaben. Der Mensch entdeckte im Fenster einen kleinen Plüschhund, der ihn so süß anschaute, dass sein Betrachter schmunzelnd dachte: „Ich wünschte, der kleine Kerl wäre jetzt lebendig.“ Während der Mensch sich das amüsiert vorstellte, bemerkte er nicht, dass sich ganz dicht neben ihm tatsächlich etwas bewegte. Eine kleine feuchte, schwarze Nase schnüffelte neugierig an seiner Einkaufstasche herum. Das hungrige Fellknäuelchen wollte ja nicht unhöflich sein und den träumenden Menschen stören. Deshalb versuchte es erst mal, alleine an den duftenden Inhalt der Tasche zu gelangen. Es stellte sich auf die Hinterpfötchen, reckte sich so vor, dass die Vorderpfötchen auf dem Taschenrand liegen konnten. So hatte es die Möglichkeit, unbemerkt zu riechen, wo sich das begehrenswerte Objekt genau befand. Das wuschelige Schwänzchen wedelte dabei aufgeregt hin und her. „Noch ein bisschen recken … ja, noch ein wenig mehr … gleich bin ich drin,“ und schon war es passiert! Gerade als die Hinterpfötchen abheben wollten, um sich an der Tasche hochzuziehen, plumpste das Fellknäuelchen hin und direkt auf die Füße der Person, der die Tasche gehörte und die im gleichen Moment weitergehen wollte. Der Mensch erschrak, ließ seine Tasche fallen und sprang einen Schritt zurück. Doch, was sah er da, als er sich von dem ersten Schrecken erholt hatte? Da saß doch tatsächlich ein kleiner Hund vor ihm. Er schaute fast genau so aus, wie der aus dem Schaufenster. Nur, war das lebendige Knäuel vor ihm etwas zerzauster, aber dafür viel putziger. „Na, wer bist denn du? Bist du wirklich ein lebendig gewordenes Stofftier?“ Der Mensch ging lächelnd in die Knie und hockte sich vor das kleine Tierchen, das sein Köpfchen zur Seite legte, die Öhrchen aufstellte und ihn anschaute mit diesem typischen, unwiderstehlichen „Nimm mich bitte mit-ich habe solchen Hunger-bin auch ganz lieb und möchte ins Warme- Blick“. Dabei gab es die entsprechenden Hundesprachenlaute von sich, die jeder verstand! Der Mensch hatte gar keine Gelegenheit mehr zu schauen, zu wem der kleine Hund gehörte, denn er entdeckte sofort ein kleines Schild an dem Lederhalsband, auf dem stand: „Bitte nimm mich mit, denn ich gehöre zu niemandem mehr. Ich bin gut erzogen und suche ein neues Zuhause!“ „Hm …?“ Der Mensch schüttelte den Kopf. „Wer macht denn so was?“ Eine Hundemarke gab es nicht. Flöhe konnte er auf den ersten Blick beim Streicheln auch nicht feststellen. Wäre der verschmuste, kleine Hund eine Katze gewesen, hätte er laut geschnurrt, so sehr freute er sich über die liebe Art des Menschen, der ihn sofort ins Herz geschlossen hatte.

Nun sind inzwischen Jahre vergangen. Der Mensch hatte damals vergeblich alles versucht, um den Besitzer ausfindig zu machen. Natürlich insgeheim in der Hoffnung, dass es niemanden gab. Er und Fellchen standen von da ab jedes Jahr zur gleichen Zeit vor dem Schaufenster des Spielwarenladens und feierten ihren Jahrestag mit den Würstchen, die sich damals in der Einkaufstasche befanden. Das sind Fellchens ganz besondere Weihnachtszeitleckerlis, denn diese gibt es üblicherweise nicht so häufig. Fellchen und der Mensch sind glücklich und unzertrennlich. In diesem Jahr ist das Spielzeugwarengeschäft geschlossen. Aber dafür ist noch ein kleines Wunder passiert. Der kleine Hund lebt nun mit zwei Freunden zusammen, denn der Mensch hat inzwischen einen anderen lieben Menschen getroffen. So feiern sie bald zu dritt das Weihnachtsfest und sind glücklich und dankbar, dass sie sich gefunden haben.

„Und, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute …“

… und das so was von putzmunter! 😉

 

Text und Foto © Dezember 2010 Sabina Boddem

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