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Denkt euch, ich habe das Christkind … Kindheitserinnerungen an die 60ger Jahre

Vom Christkind

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,

mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,

denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack –

denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!

Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Anna Ritter (1865-1921)

Dieses Gedicht war mein Lieblingsweihnachtsgedicht in meiner Kindheit. Es war das erste, das ich schon auswendig vor dem Christbaum aufsagte, als ich noch nicht zur Schule ging. Jedes Jahr stand ich da, und mein persönlicher Schlusssatz lautete  stets: „Es roch so nach Äpfeln, Nüssen und Puppenküchen!“ Ich wünschte mir doch so sehr eine Puppenstube. Dann, an irgendeinem Weihnachtsfest, durfte ich sie endlich auspacken, meine erste Puppenstube. Damals wurden sie noch von Hand gezimmert. Der Schreiner in meinem Heimatdorf Kalkum, das heute zu Düsseldorf gehört, hatte sie angefertigt. Ja, wir hatten sogar noch einen echten Dorfschmied, bei dem wir immer zuschauen durften, wie die Pferde neu beschlagen wurden. Es gab also den Schreiner, den Hufschmied, dann noch den Briefträger, den Anstreicher, die Frau Schiffer aus dem Tante-Emma-Laden, dem einzigen Laden im ganzen Unterdorf und die Bauern. Bei dem einen Bauer holten wir abends in den alten Milchkannen, die man heute nur noch im Museum bestaunen kann, die frische Milch von Kühen, die noch saftige Weiden kannten. Von dem anderen Bauer erhielten wir immer Eier von damals noch wirklich glücklichen und frei laufenden Hühnern. Die Tochter dieses Bauern war eine meiner Freundinnen. Ich durfte ihr schon mal helfen Eier zu verkaufen. Könnt Ihr Euch heute noch ein kleines Mädchen vorstellen, das vorne und hinten das schwere Fahrrad bepackt hatte mit Eiern und mich noch zusätzlich auf dem Gepäckträger mitnahm, wenn die Taschen hinten schon leer waren? Früher musste das funktionieren. Wehe die Eier gingen mal zu Bruch, dann gab es Ohrfeigen, denn die Eltern waren echt streng früher, auch meine eigenen. Das Spielen auf dem Bauernhof hingegen war ein Traum, den die Kinder heute höchstens aus alten Astrid-Lindgren-Filmen oder aus Heidigeschichten kennen. Ja, spielen auf dem Land war damals unbeschreiblich schön. Ich glaube, wenn das nicht gewesen wäre, wir hätten so manches nicht so gut verpacken können. Aber wir spielten noch –  im Gegensatz zu den Kids heute. Wir machten Rollenspiele, waren kreativ und hatten jede Menge Fantasie. Das war allein schon Spieltherapie pur, die heute von Therapeuten – u. a. habe ich so gearbeitet –  angeboten wird, damit die Kinder wieder lernen, sich selbst zu spüren … So hat doch jede Zeit ihre Schatten- und Lichtseiten! Ich merke, wie ich mich aber auch manches Mal ertappe bei dem Satz: „Ja, früher war alles viel schöner.“ Hm, dafür hatten wir jedoch andere Sorgen. Doch das möchte ich an dieser Stelle hier nicht vertiefen, denn ich habe nicht die Absicht, meinen kleinen Ausflug in meine Landkindheit zu trüben.

Es ist Weihnachtszeit, deshalb fand ich dieses Gedicht im Google, was mich eben ganz spontan an das alles denken ließ. An die Zeit, als in der großen Wohnküche tagelang gebacken wurde: Riesige Christstollen mit Marzipan, unzählige Gläser mit Spritzgebäck, Makronen aller Arten, ausgestochene Plätzchen, die mit Eigelb bestrichen wurden und Vanillekipferl. Es waren tatsächlich Unmengen, denn ich hatte fünf Halbgeschwister. So war das Haus an Weihnachten richtig voll. Wir durften früher noch nichts vor Weihnachten von dem Gebackenen essen, so wie es auch nicht üblich war, den Christbaum schon vorher zu sehen. Bei uns war es Brauch, am ersten Weihnachtstag früh morgens mit den Kindern zu bescheren, die noch zu Hause lebten. Die anderen, schon Verheirateten, die bereits selbst Kinder hatten, kamen am zweiten Weihnachtstag, an dem es noch eine eigene Bescherung für sie gab.  Heiligabend wurde nicht gefeiert. Am ersten Weihnachtstag standen wir gespannt vor der Wohnzimmertür bis das helle Glöckchen erklang. Dann betraten wir „Ihr Kinderlein kommet“ singend das Weihnachtszimmer.  Nachdem wir vor dem Tannenbaum mehrstimmig alle traditionellen Lieder gesungen hatten, durften wir die Geschenke auspacken. Danach wurde an dem festlich geschmückten Kaffeetisch – damals noch mit dem guten Festtagsporzellan und dem Silberbesteck und der handbestickten Weihnachtstischdecke – gefrühstückt, und es gab zum ersten Mal unseren Christstollen und die Plätzchen. Anschließend fuhren wir in die Düsseldorfer Altstadt zur Maxkirche, in der schon damals die Konzertmessen stattfanden. Dort trafen wir auch die älteren Geschwister, Tanten, und Onkel. Zuhause wieder angekommen besuchten wir mit einigen Geschwistern die Nachbarn, zwei ältere alleinstehende Damen, die in einem alten Fachwerkhäuschen lebten, in dem es immer so pilzig roch. Aber es hatte was, denn es erinnerte mich immer daran, dass Weihnachten war. Bei den beiden Fräuleins, so wurden sie ja früher genannt, bekamen wir selbstgebackene, staubtrockene, viel zu süße Plätzchen, verschrumpelte Äpfel, aber auch leckere Nüsse aus dem eigenen Garten. Traditionsgemäß  sangen wir den beiden Frauen zum Dank im Chor mehrstimmig oder im Kanon die Weihnachtslieder vor, bis die Tränen vor Rührung kullerten. Schließlich waren wir als musikalische Familie im ganzen Ort bekannt und mussten des öfteren vorsingen oder musizieren. Damals kannte man die Kelly Family noch nicht. Aber es gab einen alten Heimatfilm aus den fünfziger Jahren, in dem die Trapp Familie mit ihrem Gesang berühmt wurde, und nach der wurden wir häufig benannt. 🙂

Ja, so könnte ich noch stundenlang weiter schreiben. Doch ich möchte Euch nicht langweilen mit meinen Ausschweifungen in meine Kindheit. Ich will sie auch nicht glorifizieren, denn wie eingangs schon erwähnt, haben wir es auch nicht leicht gehabt. Ich konnte in meinem Leben vieles aufarbeiten, und das auch mit professioneller Unterstützung. Ich habe es geschafft, mich von alten Lasten zu befreien, die Menschen loszulassen, die mir nicht gut getan haben und auch denen den Rücken zu kehren, die wissend sind, aber nichts wissen möchten. Ich bin buchstäblich im Frieden und möchte ebenso in Frieden gelassen werden. Mir geht es gut, und ich begleite schon sehr lange andere Menschen professionell auf ihrem individuellen Weg der Aufarbeitung. Ich bin der Meinung, dass jede Seele sich das aussucht, was sie für ihr ganz individuelles Wachstum braucht, auch wenn das manches Mal unbegreiflich erscheint angesichts des Missbrauchs, der Krankheit oder sonstigen Leides, dem manches Kind schon von klein auf ausgesetzt ist. Trotzdem glaube ich fest daran, dass alles doch einen Sinn hat.

Und dessen besinne ich mich zur Weihnachtszeit in Dankbarkeit, weil ich vieles durchlebt habe, und aus mir das geworden ist, was ich heute bin. So möchte ich jedem Mut machen, der zweifelt oder sich verändern möchte, aber sich noch nicht traut und der den Weg zu sich selbst gehen möchte, auch wenn das Ziel noch unbekannt ist.

In diesem Sinne wünsche ich allen von Herzen noch eine besinnliche und geruhsame Weihnachtszeit!

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Die kleine Weihnachtsgeschichte von einem Wunsch, der wahr wurde

Es geschah an einem kalten Wintertag …


Düssldorf Altstadt in der Weihnachtszeit

Der Wind blies eisig durch die verschneiten Straßen der Großstadt. Hastig eilten die Menschen an hell erleuchteten Schaufenstern vorbei. Einige suchten nach Weihnachtsgeschenken, manch einer aber beeilte sich, um nach Hause in‘ s Warme zu kommen. Natürlich gab es auch welche, die sich nach Feierabend auf einen Glühwein an der Weihnachtsmarkthütte freuten.

In dem allabendlichen Getümmel bemerkte niemand das kleine zitternde Fellknäuel, das zusammengekauert in der Schaufensternische eines leer stehenden Ladens saß. Ganz nahe an den Mauersockel gepresst hockte es da und leckte sich ein Pfötchen, weil sich ein Kieselsteinchen eingedrückt hatte und fürchterlich juckte. Fellknäuelchen ging es gar nicht gut. Eiskalt waren die Pfötchen – von dem Hunger, dem Durst und dem Gefühl der Verlassenheit mal ganz abgesehen.

In der Zwischenzeit, gar nicht weit entfernt, stand einer der vielen Menschen vor dem Schaufenster eines Spielzeugwarenladens und betrachtete in Gedanken versunken die bunte Pracht an Stofftieren, die sich in einer von Kunstschnee glitzernden Landschaft um einen mit roten Kugeln und silbernen Lametta geschmückten Tannenbaum versammelten. Der Mensch lebte alleine. Im Laufe der Jahre war es ruhig um ihn herum geworden. Nahestehende Menschen waren gestorben, liebe Freunde gab es, aber sie hatten natürlich ihre eigene Familie und damit verbundene Aufgaben. Der Mensch entdeckte im Fenster einen kleinen Plüschhund, der ihn so süß anschaute, dass sein Betrachter schmunzelnd dachte: „Ich wünschte, der kleine Kerl wäre jetzt lebendig.“ Während der Mensch sich das amüsiert vorstellte, bemerkte er nicht, dass sich ganz dicht neben ihm tatsächlich etwas bewegte. Eine kleine feuchte, schwarze Nase schnüffelte neugierig an seiner Einkaufstasche herum. Das hungrige Fellknäuelchen wollte ja nicht unhöflich sein und den träumenden Menschen stören. Deshalb versuchte es erst mal, alleine an den duftenden Inhalt der Tasche zu gelangen. Es stellte sich auf die Hinterpfötchen, reckte sich so vor, dass die Vorderpfötchen auf dem Taschenrand liegen konnten. So hatte es die Möglichkeit, unbemerkt zu riechen, wo sich das begehrenswerte Objekt genau befand. Das wuschelige Schwänzchen wedelte dabei aufgeregt hin und her. „Noch ein bisschen recken … ja, noch ein wenig mehr … gleich bin ich drin,“ und schon war es passiert! Gerade als die Hinterpfötchen abheben wollten, um sich an der Tasche hochzuziehen, plumpste das Fellknäuelchen hin und direkt auf die Füße der Person, der die Tasche gehörte und die im gleichen Moment weitergehen wollte. Der Mensch erschrak, ließ seine Tasche fallen und sprang einen Schritt zurück. Doch, was sah er da, als er sich von dem ersten Schrecken erholt hatte? Da saß doch tatsächlich ein kleiner Hund vor ihm. Er schaute fast genau so aus, wie der aus dem Schaufenster. Nur, war das lebendige Knäuel vor ihm etwas zerzauster, aber dafür viel putziger. „Na, wer bist denn du? Bist du wirklich ein lebendig gewordenes Stofftier?“ Der Mensch ging lächelnd in die Knie und hockte sich vor das kleine Tierchen, das sein Köpfchen zur Seite legte, die Öhrchen aufstellte und ihn anschaute mit diesem typischen, unwiderstehlichen „Nimm mich bitte mit-ich habe solchen Hunger-bin auch ganz lieb und möchte ins Warme- Blick“. Dabei gab es die entsprechenden Hundesprachenlaute von sich, die jeder verstand! Der Mensch hatte gar keine Gelegenheit mehr zu schauen, zu wem der kleine Hund gehörte, denn er entdeckte sofort ein kleines Schild an dem Lederhalsband, auf dem stand: „Bitte nimm mich mit, denn ich gehöre zu niemandem mehr. Ich bin gut erzogen und suche ein neues Zuhause!“ „Hm …?“ Der Mensch schüttelte den Kopf. „Wer macht denn so was?“ Eine Hundemarke gab es nicht. Flöhe konnte er auf den ersten Blick beim Streicheln auch nicht feststellen. Wäre der verschmuste, kleine Hund eine Katze gewesen, hätte er laut geschnurrt, so sehr freute er sich über die liebe Art des Menschen, der ihn sofort ins Herz geschlossen hatte.

Nun sind inzwischen Jahre vergangen. Der Mensch hatte damals vergeblich alles versucht, um den Besitzer ausfindig zu machen. Natürlich insgeheim in der Hoffnung, dass es niemanden gab. Er und Fellchen standen von da ab jedes Jahr zur gleichen Zeit vor dem Schaufenster des Spielwarenladens und feierten ihren Jahrestag mit den Würstchen, die sich damals in der Einkaufstasche befanden. Das sind Fellchens ganz besondere Weihnachtszeitleckerlis, denn diese gibt es üblicherweise nicht so häufig. Fellchen und der Mensch sind glücklich und unzertrennlich. In diesem Jahr ist das Spielzeugwarengeschäft geschlossen. Aber dafür ist noch ein kleines Wunder passiert. Der kleine Hund lebt nun mit zwei Freunden zusammen, denn der Mensch hat inzwischen einen anderen lieben Menschen getroffen. So feiern sie bald zu dritt das Weihnachtsfest und sind glücklich und dankbar, dass sie sich gefunden haben.

„Und, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute …“

… und das so was von putzmunter! 😉

 

Text und Foto © Dezember 2010 Sabina Boddem

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Lustige Weihnachtsgeschichte

Von sprechenden Gegenständen und anderen Heiterkeiten am Empfang

Stellt Euch mal vor, Ihr würdet am Empfang eines großen Firmengebäudes arbeiten, säßet hinter der Empfangstheke an der Telefonzentrale und alles um Euch herum könnte reden:

Fangen wir da doch mal mit der Lampe an: „Äi, Manno, ich han kin Bock den janzen Tach hier röm zu scheinen. Dat is janz schön anstrengend und Enerjieverschwendung. Mich is uch langsam abba sicher heiß. Mensch, macht dat Licht us! Nix för onjot, dat Sonn scheint!“ Die Lampe ist eine alte Düsseldorferin und besteht auf ihre rheinische Mundart. Eine kleine Übersetzung für Nichtrheinländer: „Ai, Manno, ich habe keine Lust den ganzen Tag hier rum zu scheinen. Das ist ganz schön anstrengend und Energieverschwendung. Mir ist auch langsam aber sicher heiß. Mensch, macht das Licht aus. Nichts für ungut, die Sonne scheint!“

„Was willst du denn schon wieder? Hör auf zu meckern“, schrillt das schwarze Telefon. „Was soll ich denn sagen. Ständig muss ich brüllen, damit mich die dunkelhaarige Kleine hier bedient, weil sie mal wieder im Schreibfieber ist. Dabei sehne ich mich doch nach Erlösung durch ihre Berührung. Ich liebe es, wenn die beiden Süßen hier meinen Hörer in die Hand nehmen und ihre schönen Stimmen hinein hauchen. Nur, was da vom anderen Ende häufig entgegen kommt, das gefällt mir nicht immer. Manche murmeln so‘ n doofes Zeugs auf bayrisch oder so durch mich durch. Da kriegt man ne Krise bei. Englisch ist noch schlimmer. Ich lach mich aber dann immer über mein Blondchen schlapp, wie sie sich abquält. Na ja, so ein Telefonleben ist viel anstrengender, als das von einer Lampe.“

„Boah, geht‘ s noch, ich will schlafen. Muss das ausnutzen, wenn mal keiner seine Sauklaue in mich hinein kritzelt,“ stöhnt die Besuchermappe. Das vergilbte Telefon ist inzwischen auch wach geworden. Es ist ziemlich unbeliebt bei den anderen, weil es am wenigsten zu tun hat und meistens pennt. Es räkelt sich ein bisschen und versucht doch ein paar Worte an die anderen Gegenstände zu richten: „Okay, okay, ich weiß, dass ihr ja alle ganz schön neidisch auf mein ruhiges Dasein seid. Aber habt ihr euch mal Gedanken darüber gemacht, wer durch mich des Öfteren spricht? Von den ganzen falsch Verbundenen mal ganz abgesehen. Na, ihr kennt ihn alle und besonders unsere geliebten Schnuckelchen hier. Mehr muss ich euch dazu wohl nicht berichten. Allein schon der Gedanke an die Stimme, die ich transportieren muss, erfüllt mich mit einem leichten Ekelgefühl. Würgli und Kötzerli, sag ich da nur.“ „Komm, du Schwuli, du stehst doch auf den“, frotzelt das graue Telefon mit lauter Stimme, weil es am anderen Ende steht und sich ein Spaß daraus macht, seinen vergilbten Kollegen zu ärgern. Der lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und schweigt lieber.

„Müsst ihr denn immer nur jammern?“ fragt die Maus vorwurfsvoll, „ich kann mich nicht beklagen, denn ich werde am meisten gebraucht und habe keine Langeweile. Und die warmen Berührungen der netten Damen hier finde ich sehr angenehm. Ich beziehe so viel positive Energie daraus. Ich liebe meinen Job!“ Die Maus gerät richtig ins Schwärmen und schnurrt vor sich hin. Dabei schielt sie etwas eifersüchtig auf die Tastatur, die gerade ständig berührt wird. Viel mehr als sie selbst. Und das passt der Maus ja gar nicht. Die Tastatur ist eher genervt, weil sie von der Hämmerei Migräne bekommt. Sie will sich endlich mal ausruhen können. Deshalb kann sie die Dunkelhaarige, die sich stets auf ihr auslässt, gar nicht leiden. Es grault ihr schon, wenn diese Dame Dienst hat. Der Drucker hingegen freut sich, wie ein kleiner Bagger, weil er dann immer so schöne Texte drucken darf. Er ist ein ganz gemütlicher Gegenstand, der sich mit nichts aus der Ruhe bringen lässt. Manchmal ärgert er die zwei Süßen ein wenig, indem er das Papier nicht durchlassen will. Aber das ist nur einer seiner harmlosen Streiche, besonders für die kleinere von den beiden, Gabi heißt sie, weil sie anfangs immer gleich die Panik bekam. Jetzt, wo sie den Fehler ohne Herrn Bitman erkennt und beheben kann, macht dem Drucker es nicht mehr so viel Spaß zu streiken.

„Ist das gemütlich hier!“ ruft plötzlich eine volle warme Stimme durch den Empfangsraum in die Stille. Sie kommt von der großen Theke, der Chefin aller Gegenstände. Sie fühlt sich für alle verantwortlich, weil alles auf ihr ruht oder lastet. Und sie muss repräsentieren, strahlen und blitzsauber sein. Jetzt zur Weihnachtszeit, kann sie sich ein bisschen vom ständigen Licht, das normalerweise aus ihr raus scheint, erholen. Es wird ausgeschaltet, damit der Weihnachtsbaum besser zur Geltung kommt. „Aua, das tut weh!“ schreit das vergilbte Telefon, weil Gabi gerade etwas entnervt den Hörer aufgelegt hat. Es war der mindestens fünfte Anruf von jemandem, der sich verwählt hat, innerhalb von fünf Minuten. Das Telefon fühlt sich ungerecht behandelt, denn schließlich kann es nichts für die ständigen Fehlschaltungen. „Du bist echt nicht zu beneiden“, wispert die kleine Zettelbox zu ihm rüber, obwohl sie sich täglich schwächer fühlt. Sie hat Angst, im Müll zu landen, weil sie schon so abgegriffen aussieht, und die Zettel in ihr immer weniger werden. Außerdem hat sie sich gerade mit dem kleinen Magnetnikolaus angefreundet, der über ihr die weiße Fläche farbenfroh und lustig dekoriert. Nun befürchtet die Zettelbox, dass der Abschied von dem kleinen Nikolaus vorprogrammiert ist, weil der nur bis Weihnachten bei ihr sein kann. Der kleine rote Weihnachtsmann tröstet sie liebevoll, indem er ihr erzählt, wie schön und dekorativ sie wohl nach dem Recycling aussehen würde. Die Zettelbox hat nur die Befürchtung, dass sie zu einem anderen Gegenstand verarbeitet wird, der dann nutzlos herumstehen könnte. Aber noch ist sie bei ihrem geliebten Nikolaus, und sie versucht im Hier und Jetzt glücklich zu sein, indem sie nicht an die Zukunft denkt.

Plötzlich zischt es in die Stille: „Bah, ich ekle mich ja so! Diese fiesen, fettigen Finger von dem Fahrer. Grrrr, die waren total dreckig.“ Bleib mir bloß von der Mine!“ kreischt der andere Kuli. „Stell dich nicht so an. Was rollst du mir auch ständig auf die Plastikpelle, da kann ich doch nichts für“, schimpft der verdreckte Kuli zurück. „Mensch Kinder, müsst ihr hier so einen Aufstand proben? Das geht mir auf die Nerven. Konzentriert euch lieber auf eure Aufgabe, ordentlich die Listen zu führen und in mich hinein zu schreiben“, mahnt das Notizbuch die beiden Streitkulis. Da meldet sich die Schreibunterlage zu Wort: „Ihr habt vielleicht Probleme. Was soll ich denn sagen? Vor Monaten wurde ich liebevoll bemalt und beschrieben mit Mandalas, Smileys, Gedichten und Witzen. Und seit August steht hier gar nichts mehr. Ich werde einfach ignoriert. Das schlimmste an der Sache ist, dass ich dann auch noch ab und zu abgerissen werde und einfach ein Teil von mir im Papierkorb landet. Was soll das? Die Tussen am Empfang haben wohl ’nen Knall!“ Die Schreibunterlage ist richtig sauer.

„Schluss mit dem ewigen Gejammer! Es reicht jetzt! Wir wollen unsere Ruhe haben!“ rufen die Telefonlisten stolz, dass sie endlich mal einer Meinung sind. „Geht das bei Euch immer so ab?“ Die Sprudelflasche ist sichtlich erstaunt über das Wortgefecht um sie herum. Sie kennt nur die Ruhe im Eisschrank und steht ja nur viereinhalb Stunden inmitten dieser Chaoten, die sich ständig zu streiten scheinen.

„Hey“, meint der Wochenplan, „ich hänge hier auch nur eine Woche, aber ich find‘ s ganz lustig hier. Kommt wenigstens keine Langeweile auf. Na, hallo, wen haben wir denn da? Hübsch, hübsch … “ Dabei blinzelt der Plan zu seiner rechten Seite, an der sich drei bunte Postkarten breit gemacht haben. Eine Blondine auf rotem Untergrund und zwei Sprüchekarten. Ja, diese Nachbarschaft gefällt dem Wochenplan, der es gerade bereut, dass er am Montag schon wieder ausgewechselt wird. Na dann aber ran an die Buletten … Er träumt schon vom Wochenende, wo er ungestört flirten kann, weil dann niemand vor ihm sitzt und auf den Tasten herumhaut. Der Telefonhörer vor ihm grinst schon, weil er die Gedanken des verwegenen Gesellen über ihm schon kennt.

„Geht das auch mal ein bisschen sanfter?“ schreit der Türdrücker. „Ich bin auch nur ein armer Knopf, der mal liebevoll gedrückt werden möchte. Schließlich schütze ich euch alle vor unerwünschten Eindringlingen. Aber das ist eine richtig undankbare Aufgabe, weil ich immer nur genervt behandelt werde. Im Gegensatz zur Tastatur. Ich beobachte schon die ganze Zeit Gabi, wie sehr ihr das Schreiben Freude macht. Die Tastatur weiß gar nicht wie gut es ihr geht, dabei jammert sie ständig über Tastenkopfschmerzen. Ich habe Knopfschmerzen, die sind viel schlimmer!“ Der Türdrücker kann sich gar nicht mehr beruhigen.

„Jetzt hör aber auf“, motzt der Klingelknopf für die Firma Williwichtig, „gerade kommen Pakete an. Und wer drückt unsensibel auf mir rum? Gabi, weil sie beim Schreiben unterbrochen wird. Dabei freue ich mich immer, wenn die Schublade aufgeht und ich endlich zum Einsatz kommen darf. Die Besucherzettel neben mir sind so humorlos und bürokratisch. Das Gefasel über Unterschriften und Sicherheiten lässt mich nur noch gähnen. Dunkel ist es ja ohnehin schon. Da kann ich ja nur noch an‘ s Schlafen denken.“ „Ein bisschen mehr Respekt bitte“, fordern die Besucherzettel. Besonders die Scheine der Firma Arroganza sind hörbar gekränkt: „Wisst ihr eigentlich, mit wem ihr es zu tun habt? Auf uns trägt sich nicht irgend so ein Prollofahrer ein. Auf uns verewigen sich nur gebildete Leute.“ „Äi, ein bissken nett hier, sonst krischt ihr mal wat up dat Papier“, drohen die Williwichtigscheine. „Wat bildet ihr euch eijentlich ein? Am Ende landet ihr jenau so im Reißwolf wie wir. Also haltet mal janz schön dat Papier flach!“ Doch eh der Streit noch weitergeht, ist die Schublade auch schon wieder zu und die anderen draußen haben ihre Ruh.

„Vorsicht, ich bin kitzelig“, kichert gerade das Mousepad, als Gabi es berührte. „Soll ich ein wenig nachhelfen?“ neckt die Maus ihre Freundin und lässt sich von Gabi ein bisschen hin und her bewegen. „Hi, hi, hi, … aufhören, lass das, hi, hi, … !“ Das Pad giggelt wie verrückt. Es kokettiert nur, weil es in Wirklichkeit gar nicht will, dass die Maus aufhört es zu kitzeln. Die Maus kennt das Spielchen schon und fährt munter fort. Auch die beiden alten verschmutzten Magnete sind gut drauf, weil sie sich gerade mit ihrem Neuzugang anfreunden. Zuerst dachten sie ja, die drei bunten, blitzsauberen Neulinge seien arrogant. Sie wurden erst mal skeptisch beäugt. Aber die drei Gesellen riefen ihren Kollegen bald, nachdem sie am Blech klebten, munter einen Gruß zu und stellten sich als Rotli, Grünli und Gelbli vor. So war das Eis schnell gebrochen.

Na, was hören denn alle plötzlich? Eine Melodie, die sich recht fröhlich anhört. „Mögen alle Wesen dieser Welten glücklich sein, glücklich sein, glücklich sein … “ klingt es von der Magnetwand. Es sind die bunten Namensherzchen, die gemeinsam mit der Regenbogenpostkarte ein Mantra singen. Sogar die sonst so nüchternen Informations- und Anweisungszettel stimmen mit ein. Der Tischkalender rutscht im Takt hin und her und schubst im Eifer des Rhythmus beinahe Gabi‘ s Brillenetui runter. Auch der Notizblock pfeift etwas schräg mit. Er ist nicht gerade musikalisch, aber die Hauptsache ist doch, dass es allen Spaß macht.

„So und jetzt bitte „Oh Tannenbaum“!“ ruft der große blau und silbern geschmückte Baum vor der Theke in die singende Runde. Und alle einschließlich der Möbel, Pflanzen, Kübel, Bilder und was sich noch alles im Empfangsraum befindet, stimmen mit in das Weihnachtslied ein. Die Pflanzen trällern den Sopran, die Pflanzenkübel singen die zweite Stimme, die dicken Sessel dröhnen den Bass, Bariton erschallt aus den Bildern an den Wänden. Die Tische summen etwas unbeholfen mit, weil sie ihre Tonlage noch nicht herausgefunden haben, die Sonnensegel schlagen den Rhythmus, die Türen klappern mit, das Prospektregal hält sich leise summend und schüchtern zurück, während die Prospekte melodisch mit flöten. Die Merci-Schokolade, die Gabi gerade geschenkt bekam, schmilzt vor Rührung nur so dahin und die Kohlensäure im Wasserglas blubbert neben der Schokolade den Takt. Nur die Heizungen, der Schlüsselkasten, die graue Trennwand, der Stuhl, die Schubladenrollwagen, der Rechner, der Monitor und der Mülleimer wollen nicht mit musizieren, weil sie das alles kindisch finden. Doch als sie dann plötzlich „Oh du fröhliche“ hören, wird auch ihnen ganz warm um‘ s Herz. Aller Neid und Streit sind vergessen. So singt nun alles glücklich und in Harmonie vereint gemeinsam im Chor das Weihnachtslied. „Und wir sind auch noch da!“ rufen das Adventsgesteck und die schmückende Kette auf der Theke. Ja, beinahe wären sie vergessen worden, dabei haben sie glockenhelle Stimmen …

Und, wenn sie nicht gestorben sind,

dann singen und lachen sie noch heute … 😉

Text: © Sabina Boddem

Diese Geschichte schrieb ich vor vielen Jahren, als ich mal als Empfangssekretärin jobbte. Die Gegenstände gab es wirklich am Platz, an dem ich arbeitete. Die Firmen und Namen der Personen habe ich natürlich geändert. Wenn mal nichts zu tun war, dann ging eben meine Fantasie mit mir durch, wie Ihr hier bemerken könnt.

😀 😀 😀

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Erinnerungen an die Kindheit in Düsseldorf zur Weihnachtszeit

Ist das schön!

Endlich kommt so ein winterliches Weihnachtszeitgefühl auf,

weil es draußen so richtig kalt ist.

Gestern bei einem Spaziergang im Düsseldorfer Nordpark

erinnerte ich mich an die Adventszeit meiner Kindheit. Da wurden noch Christststollen mit Marzipan gebacken und natürlich jede Menge Plätzchen und Makronen. Die kamen dann in Dosen und Gläser und wurden im Weihnachtszimmer aufbewahrt. Wir durften vor Weihnachten noch nichts davon essen. Naschen während des Backens? … Klar, das gehörte dazu.

Und vor dem Weihnachtszimmer, dem Arbeitszimmer meines Vaters, durften wir nicht durch das Schlüsselloch gucken. Die Tür war nicht nur verschlossen, auch das Schlüsselloch war von innen zugestopft. Nur die Engel und das Christkind hatten Zugang durch das Fenster, das nur meine Eltern öffnen durften. Meine Eltern hatten einen Sonderstatus, da sie ja den Engeln halfen und auch regelmäßig die Christkindelwerkstatt besuchen durften. Das waren in Wirklichkeit die Geschäfte, in denen meine Eltern die Geschenke kauften. Die „Hauptwerkstatt“ war damals das Spielwarengeschäft Lüttgenau auf der Graf-Adol-Straße. Ich wohne  in der Nähe und muss immer daran denken, wenn ich vorbeischlendre.

Manchmal da durften wir Kinder durch das Schlüsselloch schauen. Es raschelte in diesem Zimmer, und ein geheimnisvolles Licht war zu sehen, so wie Kerzenflackern. Dann arbeiteten die Engel dort … Das war so magisch …

Auch den Weihnachtsbaum durften wir nicht vor Weihnachten sehen. Der stand noch nicht, wie bei vielen heute, schon wochenlang geschmückt herum.

Da mein Vater als selbständiger Geschäftsmann noch am Tag des heiligen Abends sehr viel arbeiten musste, und dieser Tag für ihn sehr alltäglich und stressig verlief, wurde bei uns dann am ersten Weihnachtstag beschert. Ich fand das schön als Kind, weil ich dann nach dem Geschenkeauspacken nicht wie die anderen Kinder ins Bett musste.

Vor der Bescherung standen wir vor der Wohnzimmertüre und mussten warten bis das helle Weihnachtsglöckchen erklang. Das zu läuten, war die Aufgabe meines Vaters. Nach dem Läuten gingen wir gemeinsam an den Christbaum, und mein Vater stimmte ein Weihnachtslied an. Wir sangen die Lieder mehrstimmig, und es war einfach ein Gänsehautgefühl von Ergriffenheit und Hochstimmung pur. All das fand früh am Morgen statt. Draußen war es noch ziemlich dunkel, so dass die Lichter und Kerzen  sehr gemütlich zur Geltung kamen. Nach der Bescherung wurde am feierlich gedeckten Tisch gefrühstückt. Nun gab es zum ersten Mal selbstgebackenen Christstollen und Plätzchen. Und dann ging es zur Maxkirche in der Düsseldorfer Altstadt.

Die Konzertmessen waren für mich schon als kleines Mädchen ein Genuss. Ich konnte träumen bei solch einer Musik. Ich stand oft in langen Sissikleidern vor dem Altar und dachte mir alles mögliche aus, was so manche kleine Mädchen gerne spielen. Es gehörte einfach zu Weihnachten dazu. Und die traumhafte Krippe! Auch sie inspirierte mich zu Fantastereien. Ich versetzte mich in diese alten Zeiten und Welten …  und dazu die Musik …  Das war einfach wunderbar.

Nach der Messe traf sich die gesamte Familie und alle Angehörigen vor der Kirche. Wir sahen dann alle wieder, die wir während des gesamten Jahres seltener trafen, und auch das gehörte dazu …

Zu Hause wieder angekommen gingen wir,  zwei meiner Halbbrüder und mein Vater, zu den alten Damen, die im Nachbarhaus lebten. Es war ein altes Fachwerkhaus in Düsseldorf-Kalkum auf dem Land. Das Haus war so, wie ein kleines Hexenhäuschen und durftete nach einem Gemisch aus getrockneten Äpfeln, Backwerk, und ein bisschen Pilzmoder, wie eben damals solch alte Häuser rochen … super gemütlich. Bei den alten „Fräuleins“, den lieben „Hexchen“, die sich immer noch siezten, obwohl sie schon zig Jahrzehnte befreundet waren, sangen wir mehrstimmig oder im Kanon. Wir wurden häufig die „Trappfamilie“ genannt, weil wir, wenn wir alle vereint waren (mit sechs Geschwistern und Angehörigen), auch im Sommer im Garten sehr viel sangen. Die alten Fräuleins hatten immer Tränen in den Augen. Nach dem Gesang gab es selbstgemachten Likör, den sogar ich trinken durfte, meine älteren Geschwister sowieso, und dazu Plätzchen und die Äpfel aus dem Obstgarten des alten Häuschens. Ich mochte die nicht so gerne, weil sie immer so schrumpelig und mehligweich waren.

Meine Mutter hat in der Zwischenzeit zu Hause das Weihnachtsmittagessen  zubereitet. Wenn wir dann wieder zu Hause waren, durfte ich die Salatsoße anrühren und abschmecken. Nach dem Essen erledigten wir mit Mutter und den Brüdern den Abwasch, wobei auch oft gesungen wurde. Und dann kam das schönste: Die Kinderstunde und die alten Spielfilme der 50 iger Jahre. Das schaute ich immer mit meiner Mutter, während sich die anderen zurückzogen.

Am zweiten Weihanchtstag kamen meine drei verheirateten älteren Geschwister mit ihren Kindern zu Besuch, und es wurde für sie beschert. Natürlich alles wieder mit Göckchenklingeln und Gesang.

Ja, und als ich gestern den Himmel im Park und über dem Rhein sah und den schönen Sonnenuntergang, musste ich an die Worte meiner Mutter denken, die immer zu uns Kindern sagte: „Schaut mal dort oben. Da backen die Engelchen wieder Plätzchen.“

Und das aller Schönste  kam mir gestern ganz besonders zu Bewusstsein. Ich habe einen Mann an meiner Seite, den ich genau aus jener Kinderzeit kenne, als wir vor der Maxkirche standen. Er ist der Cousin  meiner Halbgeschwister. Wir haben uns selten gesehen. Zum letzten im Jahr 2001 ganz kurz. Und dann begegneten wir uns im Xing, schrieben uns wochenlang bis wir uns endlich wiedertrafen. Das geschah im Oktober diesen Jahres.

Seit dem sind wir ein Paar, und der Engel der Liebe zu dem ich noch vor zwei Jahren gebetet habe – das Gebet steht hier auch im Blog – hat mich erhört! Das Wunder ist geschehen. Wir sind beide angekommen und glücklich. Und dafür bin ich unendlich dankbar.


Ich wünsche Ihnen allen ganz viel Wunder-bares –  gerade in dieser Weihnachtszeit.

Licht und Liebe von Herzen

Ihre glückliche Sabina Boddem

 


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Gedanken zur Weihnachts-ZEIT

Hallo, Ihr lieben Besucher meines Blogs,

gerade mache ich mir Gedanken über die Weihnachts-ZEIT …

Leider haben viele heute kaum eine  beschauliche Zeit,  in der sie – wie die übrige Natur es auch macht – sich zurückziehen können. Hektik, Lärm, Umsatz … überall läuft alles auf Hochtouren!

„Nur“ draußen die Pflanzen und viele Tiere dürfen sich erst mal verabschieden, um neue Kräfte zu tanken für ein neues Leben im Früh-jahr.

Und davor fürchten sich wahrscheinlich auch viele Menschen, denn wenn sie sich nicht in Hektik oder Aktivitäten stürzen, müssten sie sich ja mit sich und anderen tat-sächlich auseinandersetzen … Hm …

Doch gerade in der Zeit, in der wir Ruhe am meisten brauchen, weil es die Natur, die wir ja nun auch sind, einfordert, es natürlich ist, sich zu beruhigen, machen sich viele Menschen den größten Stress. Wenn ich diese Verpflichtungen immer höre, was alles gemacht werden muss und für wen … Das hat für mich echt nichts mehr mit Licht und Liebevollem zu tun.

Und dann an Weihnachten  jagen viele wieder von einem zum anderen und würden so gerne mal für sich sein. Diesen Wahnsinn habe ich zum Glück nie mitgemacht, denn alles, was ich tue, ist freiwillig und kommt von Herzen. Es nimmt mir niemand übel. Im Gegenteil!

Ich erinnere mich da auch an Zeiten, in denen ich in Kinderhorten und Schulen gearbeitet habe. Es war der helle Wahnsinn. Die Kids durften sich nicht zurückziehen, einfach eine gemütliche und schöne Zeit mit Kerzenlicht haben. Ganz in Ruhe mal basteln oder Geschichten lesen, hören oder spielen. Die Kinder „schrien“ nach Ruhe, und ich hatte sogar in einer Institution einen wunderschönen Traumraum mit ihnen eingerichtet. Aber während des ganzen Jahres wurde ich dermaßen „von oben“ verplant, dass wir selten die Gelegenheit fanden, diesen mal wirklich zu nutzen. Und die Kinder liebten diesen Raum! … Tja …

Der Wahnsinn ging schon vor St. Martin los. Unzählige Fackeln basteln (mit dreijährigen, die meistens gar keine Lust dazu hatten oder gestressten Eltern, die das dann übernahmen). Und anschließend x Mal die gleichen Feiern. Da waren  die Nikolausfeier, die Elternbastelnglühweinfeier, die Weihnachtsfeier … Die Eltern bekamen die Krise, weil sie von einem Termin zum nächsten hetzen mussten aber, wehe diese Hektik wurde nicht genährt, dann waren die Pädagogen unzufrieden, weil sie ja nichts materielles vorweisen konnten. Eben nicht diese unzähligen gebastelten Muttergeschenke, Vatergeschenke, Fackeln, Sterne, Engel, 24 Adventstäschchen …  Und, wenn die Eltern dann mal wirklich weniger Termine auferlegt bekamen oder gebasteltes, dann waren die Pädagogen plötzlich unfähig und faul, weil die Kids ja „nur“ spielten!!! Alle waren nur gestresst, unzufrieden und genervt … und vor allem KRANK geschrieben. Und diejenigen, die „noch“ keine  „fette Grippe“ hatten, die sich damals noch nicht als Schweinegrippe vorstellte ;-), mussten sich noch mehr stressen.

Okay, das waren leider meine Erfahrungen, die zum Glück sehr lange zurückliegen. Mit Sicherheit gibt es inzwischen viele soziale Einrichtungen, die auch mit Verständnis und Liebe gut und gesund organisiert in der Weise geleitet werden, dass für andere Werte Raum und Zeit da ist, als für den Stress, den ich hier beschrieben habe.


Seit 2001 bin ich selbstständig, habe viel Arbeit zu verrichten, aber ich bin kaum noch krank! Denn heute verantworte ich selbst, was ich mir zumuten kann und möchte. Ich kann zwar nicht so oft in Urlaub fahren, wenn überhaupt, aber ich bin gesünder als früher!  Ich gebe und nehme mir auch die Zeit für Heilung!

Auch ich muss in der Weihnachtszeit manchmal mehr arbeiten. Trotzdem passe ich auf mich auf, trage die Verantwortung für mich und schaue, dass ich ausreichend für mich sorge. Und, wenn ich das doch mal verpasse, dann meldet sich sofort mein Körper und setzt ein Warnsignal.

Zeit hat auch was mit Liebe und Raum dafür zu tun …

… mit Liebe und Raum zum Leben,

verbunden mit Hin-Gabe und Dankbarkeit!

Und ich lebe sehr gerne mit allem, was das Leben bringt, auch wenn es da manches Mal ganz viel Aufregung und Schmerz gab …

Doch immer wieder hatte ich Mut, mir die Zeit für mich zu nehmen, egal in welcher Lebenslage ich mich befand oder befinde. Ob mit Kindern oder ohne, ob mit Partner oder ohne, mit oder ohne Job und Arbeit … egal …

Niemand braucht zu jammern, dass keine Zeit mehr da ist. Es liegt an uns selbst, wieviel Zeit wir uns und anderen geben und nehmen!

Zeit für Licht, Zeit für Wärme, Zeit für Nähe, Zeit für Distanz, Zeit für Kontakt, Zeit für Grenzen, Zeit für Rückzug, Zeit für Aktivitäten, die uns gut tun.

Zeit für alles, was wir wirklich brauchen und benötigen …

ZEIT FÜR LIEBE!


Ich wünsche allen eine wunderschöne Advents-ZEIT

und vor allem Be-SINN-lichkeit darin!

 

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