EIGEN-ART-FOTOGRAFIE, Gruß- und Sprüchekarten

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten

wünscht Euch von Herzen

Sabina Boddem

 

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EIGEN-ART-GESCHICHTEN, Weihnachtliches

Die kleine Weihnachtsgeschichte von einem Wunsch, der wahr wurde

Es geschah an einem kalten Wintertag …


Düssldorf Altstadt in der Weihnachtszeit

Der Wind blies eisig durch die verschneiten Straßen der Großstadt. Hastig eilten die Menschen an hell erleuchteten Schaufenstern vorbei. Einige suchten nach Weihnachtsgeschenken, manch einer aber beeilte sich, um nach Hause in‘ s Warme zu kommen. Natürlich gab es auch welche, die sich nach Feierabend auf einen Glühwein an der Weihnachtsmarkthütte freuten.

In dem allabendlichen Getümmel bemerkte niemand das kleine zitternde Fellknäuel, das zusammengekauert in der Schaufensternische eines leer stehenden Ladens saß. Ganz nahe an den Mauersockel gepresst hockte es da und leckte sich ein Pfötchen, weil sich ein Kieselsteinchen eingedrückt hatte und fürchterlich juckte. Fellknäuelchen ging es gar nicht gut. Eiskalt waren die Pfötchen – von dem Hunger, dem Durst und dem Gefühl der Verlassenheit mal ganz abgesehen.

In der Zwischenzeit, gar nicht weit entfernt, stand einer der vielen Menschen vor dem Schaufenster eines Spielzeugwarenladens und betrachtete in Gedanken versunken die bunte Pracht an Stofftieren, die sich in einer von Kunstschnee glitzernden Landschaft um einen mit roten Kugeln und silbernen Lametta geschmückten Tannenbaum versammelten. Der Mensch lebte alleine. Im Laufe der Jahre war es ruhig um ihn herum geworden. Nahestehende Menschen waren gestorben, liebe Freunde gab es, aber sie hatten natürlich ihre eigene Familie und damit verbundene Aufgaben. Der Mensch entdeckte im Fenster einen kleinen Plüschhund, der ihn so süß anschaute, dass sein Betrachter schmunzelnd dachte: „Ich wünschte, der kleine Kerl wäre jetzt lebendig.“ Während der Mensch sich das amüsiert vorstellte, bemerkte er nicht, dass sich ganz dicht neben ihm tatsächlich etwas bewegte. Eine kleine feuchte, schwarze Nase schnüffelte neugierig an seiner Einkaufstasche herum. Das hungrige Fellknäuelchen wollte ja nicht unhöflich sein und den träumenden Menschen stören. Deshalb versuchte es erst mal, alleine an den duftenden Inhalt der Tasche zu gelangen. Es stellte sich auf die Hinterpfötchen, reckte sich so vor, dass die Vorderpfötchen auf dem Taschenrand liegen konnten. So hatte es die Möglichkeit, unbemerkt zu riechen, wo sich das begehrenswerte Objekt genau befand. Das wuschelige Schwänzchen wedelte dabei aufgeregt hin und her. „Noch ein bisschen recken … ja, noch ein wenig mehr … gleich bin ich drin,“ und schon war es passiert! Gerade als die Hinterpfötchen abheben wollten, um sich an der Tasche hochzuziehen, plumpste das Fellknäuelchen hin und direkt auf die Füße der Person, der die Tasche gehörte und die im gleichen Moment weitergehen wollte. Der Mensch erschrak, ließ seine Tasche fallen und sprang einen Schritt zurück. Doch, was sah er da, als er sich von dem ersten Schrecken erholt hatte? Da saß doch tatsächlich ein kleiner Hund vor ihm. Er schaute fast genau so aus, wie der aus dem Schaufenster. Nur, war das lebendige Knäuel vor ihm etwas zerzauster, aber dafür viel putziger. „Na, wer bist denn du? Bist du wirklich ein lebendig gewordenes Stofftier?“ Der Mensch ging lächelnd in die Knie und hockte sich vor das kleine Tierchen, das sein Köpfchen zur Seite legte, die Öhrchen aufstellte und ihn anschaute mit diesem typischen, unwiderstehlichen „Nimm mich bitte mit-ich habe solchen Hunger-bin auch ganz lieb und möchte ins Warme- Blick“. Dabei gab es die entsprechenden Hundesprachenlaute von sich, die jeder verstand! Der Mensch hatte gar keine Gelegenheit mehr zu schauen, zu wem der kleine Hund gehörte, denn er entdeckte sofort ein kleines Schild an dem Lederhalsband, auf dem stand: „Bitte nimm mich mit, denn ich gehöre zu niemandem mehr. Ich bin gut erzogen und suche ein neues Zuhause!“ „Hm …?“ Der Mensch schüttelte den Kopf. „Wer macht denn so was?“ Eine Hundemarke gab es nicht. Flöhe konnte er auf den ersten Blick beim Streicheln auch nicht feststellen. Wäre der verschmuste, kleine Hund eine Katze gewesen, hätte er laut geschnurrt, so sehr freute er sich über die liebe Art des Menschen, der ihn sofort ins Herz geschlossen hatte.

Nun sind inzwischen Jahre vergangen. Der Mensch hatte damals vergeblich alles versucht, um den Besitzer ausfindig zu machen. Natürlich insgeheim in der Hoffnung, dass es niemanden gab. Er und Fellchen standen von da ab jedes Jahr zur gleichen Zeit vor dem Schaufenster des Spielwarenladens und feierten ihren Jahrestag mit den Würstchen, die sich damals in der Einkaufstasche befanden. Das sind Fellchens ganz besondere Weihnachtszeitleckerlis, denn diese gibt es üblicherweise nicht so häufig. Fellchen und der Mensch sind glücklich und unzertrennlich. In diesem Jahr ist das Spielzeugwarengeschäft geschlossen. Aber dafür ist noch ein kleines Wunder passiert. Der kleine Hund lebt nun mit zwei Freunden zusammen, denn der Mensch hat inzwischen einen anderen lieben Menschen getroffen. So feiern sie bald zu dritt das Weihnachtsfest und sind glücklich und dankbar, dass sie sich gefunden haben.

„Und, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute …“

… und das so was von putzmunter! 😉

 

Text und Foto © Dezember 2010 Sabina Boddem

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EIGEN-ART-GESCHICHTEN, Weihnachtliches

Lustige Weihnachtsgeschichte

Von sprechenden Gegenständen und anderen Heiterkeiten am Empfang

Stellt Euch mal vor, Ihr würdet am Empfang eines großen Firmengebäudes arbeiten, säßet hinter der Empfangstheke an der Telefonzentrale und alles um Euch herum könnte reden:

Fangen wir da doch mal mit der Lampe an: „Äi, Manno, ich han kin Bock den janzen Tach hier röm zu scheinen. Dat is janz schön anstrengend und Enerjieverschwendung. Mich is uch langsam abba sicher heiß. Mensch, macht dat Licht us! Nix för onjot, dat Sonn scheint!“ Die Lampe ist eine alte Düsseldorferin und besteht auf ihre rheinische Mundart. Eine kleine Übersetzung für Nichtrheinländer: „Ai, Manno, ich habe keine Lust den ganzen Tag hier rum zu scheinen. Das ist ganz schön anstrengend und Energieverschwendung. Mir ist auch langsam aber sicher heiß. Mensch, macht das Licht aus. Nichts für ungut, die Sonne scheint!“

„Was willst du denn schon wieder? Hör auf zu meckern“, schrillt das schwarze Telefon. „Was soll ich denn sagen. Ständig muss ich brüllen, damit mich die dunkelhaarige Kleine hier bedient, weil sie mal wieder im Schreibfieber ist. Dabei sehne ich mich doch nach Erlösung durch ihre Berührung. Ich liebe es, wenn die beiden Süßen hier meinen Hörer in die Hand nehmen und ihre schönen Stimmen hinein hauchen. Nur, was da vom anderen Ende häufig entgegen kommt, das gefällt mir nicht immer. Manche murmeln so‘ n doofes Zeugs auf bayrisch oder so durch mich durch. Da kriegt man ne Krise bei. Englisch ist noch schlimmer. Ich lach mich aber dann immer über mein Blondchen schlapp, wie sie sich abquält. Na ja, so ein Telefonleben ist viel anstrengender, als das von einer Lampe.“

„Boah, geht‘ s noch, ich will schlafen. Muss das ausnutzen, wenn mal keiner seine Sauklaue in mich hinein kritzelt,“ stöhnt die Besuchermappe. Das vergilbte Telefon ist inzwischen auch wach geworden. Es ist ziemlich unbeliebt bei den anderen, weil es am wenigsten zu tun hat und meistens pennt. Es räkelt sich ein bisschen und versucht doch ein paar Worte an die anderen Gegenstände zu richten: „Okay, okay, ich weiß, dass ihr ja alle ganz schön neidisch auf mein ruhiges Dasein seid. Aber habt ihr euch mal Gedanken darüber gemacht, wer durch mich des Öfteren spricht? Von den ganzen falsch Verbundenen mal ganz abgesehen. Na, ihr kennt ihn alle und besonders unsere geliebten Schnuckelchen hier. Mehr muss ich euch dazu wohl nicht berichten. Allein schon der Gedanke an die Stimme, die ich transportieren muss, erfüllt mich mit einem leichten Ekelgefühl. Würgli und Kötzerli, sag ich da nur.“ „Komm, du Schwuli, du stehst doch auf den“, frotzelt das graue Telefon mit lauter Stimme, weil es am anderen Ende steht und sich ein Spaß daraus macht, seinen vergilbten Kollegen zu ärgern. Der lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und schweigt lieber.

„Müsst ihr denn immer nur jammern?“ fragt die Maus vorwurfsvoll, „ich kann mich nicht beklagen, denn ich werde am meisten gebraucht und habe keine Langeweile. Und die warmen Berührungen der netten Damen hier finde ich sehr angenehm. Ich beziehe so viel positive Energie daraus. Ich liebe meinen Job!“ Die Maus gerät richtig ins Schwärmen und schnurrt vor sich hin. Dabei schielt sie etwas eifersüchtig auf die Tastatur, die gerade ständig berührt wird. Viel mehr als sie selbst. Und das passt der Maus ja gar nicht. Die Tastatur ist eher genervt, weil sie von der Hämmerei Migräne bekommt. Sie will sich endlich mal ausruhen können. Deshalb kann sie die Dunkelhaarige, die sich stets auf ihr auslässt, gar nicht leiden. Es grault ihr schon, wenn diese Dame Dienst hat. Der Drucker hingegen freut sich, wie ein kleiner Bagger, weil er dann immer so schöne Texte drucken darf. Er ist ein ganz gemütlicher Gegenstand, der sich mit nichts aus der Ruhe bringen lässt. Manchmal ärgert er die zwei Süßen ein wenig, indem er das Papier nicht durchlassen will. Aber das ist nur einer seiner harmlosen Streiche, besonders für die kleinere von den beiden, Gabi heißt sie, weil sie anfangs immer gleich die Panik bekam. Jetzt, wo sie den Fehler ohne Herrn Bitman erkennt und beheben kann, macht dem Drucker es nicht mehr so viel Spaß zu streiken.

„Ist das gemütlich hier!“ ruft plötzlich eine volle warme Stimme durch den Empfangsraum in die Stille. Sie kommt von der großen Theke, der Chefin aller Gegenstände. Sie fühlt sich für alle verantwortlich, weil alles auf ihr ruht oder lastet. Und sie muss repräsentieren, strahlen und blitzsauber sein. Jetzt zur Weihnachtszeit, kann sie sich ein bisschen vom ständigen Licht, das normalerweise aus ihr raus scheint, erholen. Es wird ausgeschaltet, damit der Weihnachtsbaum besser zur Geltung kommt. „Aua, das tut weh!“ schreit das vergilbte Telefon, weil Gabi gerade etwas entnervt den Hörer aufgelegt hat. Es war der mindestens fünfte Anruf von jemandem, der sich verwählt hat, innerhalb von fünf Minuten. Das Telefon fühlt sich ungerecht behandelt, denn schließlich kann es nichts für die ständigen Fehlschaltungen. „Du bist echt nicht zu beneiden“, wispert die kleine Zettelbox zu ihm rüber, obwohl sie sich täglich schwächer fühlt. Sie hat Angst, im Müll zu landen, weil sie schon so abgegriffen aussieht, und die Zettel in ihr immer weniger werden. Außerdem hat sie sich gerade mit dem kleinen Magnetnikolaus angefreundet, der über ihr die weiße Fläche farbenfroh und lustig dekoriert. Nun befürchtet die Zettelbox, dass der Abschied von dem kleinen Nikolaus vorprogrammiert ist, weil der nur bis Weihnachten bei ihr sein kann. Der kleine rote Weihnachtsmann tröstet sie liebevoll, indem er ihr erzählt, wie schön und dekorativ sie wohl nach dem Recycling aussehen würde. Die Zettelbox hat nur die Befürchtung, dass sie zu einem anderen Gegenstand verarbeitet wird, der dann nutzlos herumstehen könnte. Aber noch ist sie bei ihrem geliebten Nikolaus, und sie versucht im Hier und Jetzt glücklich zu sein, indem sie nicht an die Zukunft denkt.

Plötzlich zischt es in die Stille: „Bah, ich ekle mich ja so! Diese fiesen, fettigen Finger von dem Fahrer. Grrrr, die waren total dreckig.“ Bleib mir bloß von der Mine!“ kreischt der andere Kuli. „Stell dich nicht so an. Was rollst du mir auch ständig auf die Plastikpelle, da kann ich doch nichts für“, schimpft der verdreckte Kuli zurück. „Mensch Kinder, müsst ihr hier so einen Aufstand proben? Das geht mir auf die Nerven. Konzentriert euch lieber auf eure Aufgabe, ordentlich die Listen zu führen und in mich hinein zu schreiben“, mahnt das Notizbuch die beiden Streitkulis. Da meldet sich die Schreibunterlage zu Wort: „Ihr habt vielleicht Probleme. Was soll ich denn sagen? Vor Monaten wurde ich liebevoll bemalt und beschrieben mit Mandalas, Smileys, Gedichten und Witzen. Und seit August steht hier gar nichts mehr. Ich werde einfach ignoriert. Das schlimmste an der Sache ist, dass ich dann auch noch ab und zu abgerissen werde und einfach ein Teil von mir im Papierkorb landet. Was soll das? Die Tussen am Empfang haben wohl ’nen Knall!“ Die Schreibunterlage ist richtig sauer.

„Schluss mit dem ewigen Gejammer! Es reicht jetzt! Wir wollen unsere Ruhe haben!“ rufen die Telefonlisten stolz, dass sie endlich mal einer Meinung sind. „Geht das bei Euch immer so ab?“ Die Sprudelflasche ist sichtlich erstaunt über das Wortgefecht um sie herum. Sie kennt nur die Ruhe im Eisschrank und steht ja nur viereinhalb Stunden inmitten dieser Chaoten, die sich ständig zu streiten scheinen.

„Hey“, meint der Wochenplan, „ich hänge hier auch nur eine Woche, aber ich find‘ s ganz lustig hier. Kommt wenigstens keine Langeweile auf. Na, hallo, wen haben wir denn da? Hübsch, hübsch … “ Dabei blinzelt der Plan zu seiner rechten Seite, an der sich drei bunte Postkarten breit gemacht haben. Eine Blondine auf rotem Untergrund und zwei Sprüchekarten. Ja, diese Nachbarschaft gefällt dem Wochenplan, der es gerade bereut, dass er am Montag schon wieder ausgewechselt wird. Na dann aber ran an die Buletten … Er träumt schon vom Wochenende, wo er ungestört flirten kann, weil dann niemand vor ihm sitzt und auf den Tasten herumhaut. Der Telefonhörer vor ihm grinst schon, weil er die Gedanken des verwegenen Gesellen über ihm schon kennt.

„Geht das auch mal ein bisschen sanfter?“ schreit der Türdrücker. „Ich bin auch nur ein armer Knopf, der mal liebevoll gedrückt werden möchte. Schließlich schütze ich euch alle vor unerwünschten Eindringlingen. Aber das ist eine richtig undankbare Aufgabe, weil ich immer nur genervt behandelt werde. Im Gegensatz zur Tastatur. Ich beobachte schon die ganze Zeit Gabi, wie sehr ihr das Schreiben Freude macht. Die Tastatur weiß gar nicht wie gut es ihr geht, dabei jammert sie ständig über Tastenkopfschmerzen. Ich habe Knopfschmerzen, die sind viel schlimmer!“ Der Türdrücker kann sich gar nicht mehr beruhigen.

„Jetzt hör aber auf“, motzt der Klingelknopf für die Firma Williwichtig, „gerade kommen Pakete an. Und wer drückt unsensibel auf mir rum? Gabi, weil sie beim Schreiben unterbrochen wird. Dabei freue ich mich immer, wenn die Schublade aufgeht und ich endlich zum Einsatz kommen darf. Die Besucherzettel neben mir sind so humorlos und bürokratisch. Das Gefasel über Unterschriften und Sicherheiten lässt mich nur noch gähnen. Dunkel ist es ja ohnehin schon. Da kann ich ja nur noch an‘ s Schlafen denken.“ „Ein bisschen mehr Respekt bitte“, fordern die Besucherzettel. Besonders die Scheine der Firma Arroganza sind hörbar gekränkt: „Wisst ihr eigentlich, mit wem ihr es zu tun habt? Auf uns trägt sich nicht irgend so ein Prollofahrer ein. Auf uns verewigen sich nur gebildete Leute.“ „Äi, ein bissken nett hier, sonst krischt ihr mal wat up dat Papier“, drohen die Williwichtigscheine. „Wat bildet ihr euch eijentlich ein? Am Ende landet ihr jenau so im Reißwolf wie wir. Also haltet mal janz schön dat Papier flach!“ Doch eh der Streit noch weitergeht, ist die Schublade auch schon wieder zu und die anderen draußen haben ihre Ruh.

„Vorsicht, ich bin kitzelig“, kichert gerade das Mousepad, als Gabi es berührte. „Soll ich ein wenig nachhelfen?“ neckt die Maus ihre Freundin und lässt sich von Gabi ein bisschen hin und her bewegen. „Hi, hi, hi, … aufhören, lass das, hi, hi, … !“ Das Pad giggelt wie verrückt. Es kokettiert nur, weil es in Wirklichkeit gar nicht will, dass die Maus aufhört es zu kitzeln. Die Maus kennt das Spielchen schon und fährt munter fort. Auch die beiden alten verschmutzten Magnete sind gut drauf, weil sie sich gerade mit ihrem Neuzugang anfreunden. Zuerst dachten sie ja, die drei bunten, blitzsauberen Neulinge seien arrogant. Sie wurden erst mal skeptisch beäugt. Aber die drei Gesellen riefen ihren Kollegen bald, nachdem sie am Blech klebten, munter einen Gruß zu und stellten sich als Rotli, Grünli und Gelbli vor. So war das Eis schnell gebrochen.

Na, was hören denn alle plötzlich? Eine Melodie, die sich recht fröhlich anhört. „Mögen alle Wesen dieser Welten glücklich sein, glücklich sein, glücklich sein … “ klingt es von der Magnetwand. Es sind die bunten Namensherzchen, die gemeinsam mit der Regenbogenpostkarte ein Mantra singen. Sogar die sonst so nüchternen Informations- und Anweisungszettel stimmen mit ein. Der Tischkalender rutscht im Takt hin und her und schubst im Eifer des Rhythmus beinahe Gabi‘ s Brillenetui runter. Auch der Notizblock pfeift etwas schräg mit. Er ist nicht gerade musikalisch, aber die Hauptsache ist doch, dass es allen Spaß macht.

„So und jetzt bitte „Oh Tannenbaum“!“ ruft der große blau und silbern geschmückte Baum vor der Theke in die singende Runde. Und alle einschließlich der Möbel, Pflanzen, Kübel, Bilder und was sich noch alles im Empfangsraum befindet, stimmen mit in das Weihnachtslied ein. Die Pflanzen trällern den Sopran, die Pflanzenkübel singen die zweite Stimme, die dicken Sessel dröhnen den Bass, Bariton erschallt aus den Bildern an den Wänden. Die Tische summen etwas unbeholfen mit, weil sie ihre Tonlage noch nicht herausgefunden haben, die Sonnensegel schlagen den Rhythmus, die Türen klappern mit, das Prospektregal hält sich leise summend und schüchtern zurück, während die Prospekte melodisch mit flöten. Die Merci-Schokolade, die Gabi gerade geschenkt bekam, schmilzt vor Rührung nur so dahin und die Kohlensäure im Wasserglas blubbert neben der Schokolade den Takt. Nur die Heizungen, der Schlüsselkasten, die graue Trennwand, der Stuhl, die Schubladenrollwagen, der Rechner, der Monitor und der Mülleimer wollen nicht mit musizieren, weil sie das alles kindisch finden. Doch als sie dann plötzlich „Oh du fröhliche“ hören, wird auch ihnen ganz warm um‘ s Herz. Aller Neid und Streit sind vergessen. So singt nun alles glücklich und in Harmonie vereint gemeinsam im Chor das Weihnachtslied. „Und wir sind auch noch da!“ rufen das Adventsgesteck und die schmückende Kette auf der Theke. Ja, beinahe wären sie vergessen worden, dabei haben sie glockenhelle Stimmen …

Und, wenn sie nicht gestorben sind,

dann singen und lachen sie noch heute … 😉

Text: © Sabina Boddem

Diese Geschichte schrieb ich vor vielen Jahren, als ich mal als Empfangssekretärin jobbte. Die Gegenstände gab es wirklich am Platz, an dem ich arbeitete. Die Firmen und Namen der Personen habe ich natürlich geändert. Wenn mal nichts zu tun war, dann ging eben meine Fantasie mit mir durch, wie Ihr hier bemerken könnt.

😀 😀 😀

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