Warum die Farbtypen häufig verwechselt werden …

Es ist ein leidiges Thema, aber es kommt häufig vor.

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen bei unterschiedlichen Farbtypberatungen waren und jedes Mal erhielten sie ein anderes Ergebnis.

Da werden Herbsttypen zum Winter analysiert, Sommertypen zum Herbst etc.. Wie kann das sein?

Zunächst einmal erschreckt es mich immer wieder, wie oberflächlich dieses Thema behandelt wird

im Internet, in Frauenzeitschriften, von Versandkatalogen, in Onlineberatungen, von Modeberatern in Bekleidungsgeschäften, von Friseuren oder Kosmetikerinnen, in Großgruppenberatungen und leider auch von professionellen Farbberaterinnen in Einzelberatungen.

Der Fehler beginnt schon bei den Ausbildungen. Egal, welche Vorerfahrung jemand mitbringt, jeder kann in zwei Tagen Farb- und Stilberater/in werden. Zudem sind die Farbpässe nicht geschützt oder einheitlich, was bedeutet, dass ich für den Frühlingstyp Farbpässe gesehen habe, in denen Indigoblau, Blauviolett oder Grau zu finden waren und das bei kommerziellen großen Unternehmen, die ausbilden.

Onlineberatungen, wobei nach Fotos beraten wird oder via Videochats, können einfach kein genaues Ergebnis bringen

allein schon aufgrund der verschiedenen Bildqualitäten. Außerdem gibt es bei jedem Farbtyp Unterschiede, die bei den typischen Erkennungskriterien, wie wir sie häufig in Zeitschriften oder online lesen, gar nicht berücksichtigt werden:

Ich zeige hier nur einige Kriterien auf. Es gibt natürlich weitaus mehr Beispiele!

Ein Sommertyp ist nicht zwangsläufig blond, hellhaarig oder aschig und hat auch nicht immer eine helle Haut, die nicht gut bräunt. Er kann auch von klein auf haselnussbraune und aschbraune Haare haben oder ziemlich dunkel sein von der Haut, als auch von den Haaren. Sobald er dann auch noch braune Augen hat, wird er nach den Standardberatungen sofort in die „Herbst- oder Wintertypschublade“ gepackt! Hinzu kommt noch, dass dem Sommertyp und dem Herbsttyp Weinrot und kühle Braun- und Schlammtöne, wie Beispielsweise Taupe stehen. Nur der Sommertyp kombiniert diese Farben wieder anders als der Herbsttyp. Dann gibt es Sommertypen, die wirklich ausschließlich helle Pastellfarben tragen sollten und andere wiederum tendieren zum Sommer-Winter-Mischtyp und kombinieren diese hellen Puderfarben mit dunkleren Tönen aus der kühlen Farbpalette oder können auch die ein oder andere helle Eisfarbe des Wintertyps kombinieren.

Der Sommertyp hat wie schon erwähnt nicht immer blaue Augen, sondern sie können auch mint-grün, braun oder petrol sein. Viele Sommertypen wurden deshalb zum Frühlingstyp gemacht. Ich könnte hier „Romane“ schreiben, wie unterschiedlich allein der Sommertyp zu behandeln ist.

Bildbeispiel von drei völlig unterschiedlichen Sommertypen

Sommertyp

Auch der Herbsttyp hat nicht zwangsläufig rote Haare, Sommersprossen oder helle Haut, die nicht bräunt. Pigmentfleckchen können bei jedem Farbtyp, besonders am Körper des Sommers vorkommen und sind nicht nur ausschließlich ein Erkennungsmerkmal des Herbsttyps! Gerade im fortgeschrittenen Alter sehen die Arme des Herbst- und des Sommertyps sehr ähnlich aus.

Die Augenfarbe ist nicht immer ausschließlich braun, grün oder ein Gemisch aus diesen beiden Farben, sondern kann wie bei dem kalten Farbtyp, Sommer- und Sommer-Winter-Mischtyp, auch petrol sein.

Auch kann ein Herbsttyp dunklere Augenbrauen haben als der Wintertyp und sehr gut bräunen, wie zum Beispiel ich als Herbsttyp, dem auch viele helleren Farben des Frühling-Herbst-Mischtyps stehen. Ich würde zu 99% zum Wintertyp analysiert werden, weil ich nicht den typischen Kriterien entspreche. So brauche ich auch nur in einem Internetfragebogen anzuklicken, dass ich gut bräune und sofort kommt der Wintertyp heraus! So geht es natürlich nicht! Das darf nicht sein!

Bildbeispiel von drei völlig unterschiedlichen Herbsttypen

Herbsttyp

Und dann diese unzähligen, falsch beratenen Wintertypen! Jede zweite Frau mit dunklen Augen oder Haaren, die zu mir kommt, weil sie logischerweise unsicher wird mit diesen Farben, war schon mal in einer Beratung und sollte ein Winter sein. Es sind sogar gold- oder rotblonde Frauen darunter, die zum Wintertyp analysiert wurden, nur weil sie klare blaue Augen und dunkle Augenbrauen haben. Nur weil Schwarz und Weiß so beliebt sind, scheint es immer im Trend zu sein, jeder zweiten Kundin „nach dem Mund zu reden“ und sie zum Wintertyp zu bestimmen. Ich schlage häufig die Hände über dem Kopf zusammen, was manche Farbanalysen mit den Frauen, die zu mir kommen, ergeben haben.

Wintertypen haben entweder eine sehr weiße Haut (Schneewittchentyp), die überhaupt nicht bräunt oder die Haut ist gelblich bis oliv und sie bräunt sehr dunkel und intensiv. Dieser zuletzt genannte gelbliche Unterton, den wir zum Beispiel bei vielen Asiaten, Orientalen oder südländischen Europäern kennen, wird dann verwechselt mit dem Hautunterton des Herbstes. Wenn der Wintertyp braune Augen hat, dann wirkt dieses Braun völlig anders, als das des Herbsttyps, obwohl das Braun sehr ähnlich sein kann, denn das Augenweiß des Wintertpys ist klarer oder das Braun ist sehr dunkel, fast schwarz-braun. Ich sehe selten, dass dies berücksichtigt wurde, wenn ich erlebe wie viele Herbsttypen, zum Winter „gemacht“ wurden oder auch umgekehrt!

Bildbeispiel von drei völlig unterschiedlichen Wintertypen

Wintertyp

So und dann gibt es Menschen mit blauen Augen, die aber einen Gelbwert aufweisen, die durch braune oder gelbe Pünktchen in der Iris zustande kommen. Diese schimmern dann entweder Mintfarben, Türkis oder Petrol, was durch die jeweilig getragene Garderobenfarbe mehr oder weniger verstärkt wird. Wenn dann noch braune Haare hinzukommen, bedeutet das nicht automatisch, dass es sich ausschließlich um einen warmen Farbtyp handelt.

Warmen, als auch kalten Farbtypen können in der Garderobe gewisse Petroltöne stehen. Es gibt blaustichiges oder grünstichiges Petrol, auch da gibt es Unterschiede! Weinrot, Beerentöne und Türkis stehen auch vielen Farbtypen. Deshalb kommen manche Farben, wie Weinrot, Schokobraun, Petrol und Türkis selten aus der Mode! Woran liegt das? Diese Farben haben ein ziemlich ausgewogenen Mischungsverhältnis zwischen warmen und kalten Farbpigmenten und sind, wie auch das kühle Braun, sowohl mit kühlen, als auch mit warmen Farben kombinierbar.

Auch Türkisblau ist eine Farbe, die sowohl dem Frühlingstyp, als auch dem Sommer- und Wintertyp gut zu Gesicht steht. Kommt nun eine blonde Frau mit blauen Augen in eine Farbberatung, (wohl möglich noch mit gefärbtem Haar) ist eine Falschberatung häufig vorprogrammiert, wenn sich die Farbberaterin zu sehr an typischen Klischees orientiert. Frühlingstypen werden nämlich häufig zum Sommertyp gemacht, sobald sie keine braunen oder grüne Augen haben.

Bildbeispiel von drei völlig unterschiedlichen Frühlingstypen

Fruehlingstyp

Wie gesagt, ich bin auch nur ein Mensch, möchte hier nicht überheblich herüber kommen und mich nicht auf einen Sockel stellen! Auch ich habe bestimmt seit 1994 – in den vielen Jahren, in denen ich als Farbberaterin arbeite – Fehler gemacht. Das gibt jeder zu, der ehrlich ist, sogar meine sehr erfahrene Ausbilderin, Karin Hunkel.

Aber all das, wovon ich hier berichte, darf einfach nicht so häufig vorkommen, wie ich das überall in Gesprächen erfahre. Also nicht nur in meinen Beratungen.

Leider finden wir aber in allen Berufen Fehler. Das ist ja nicht nur typisch für Farbberatungen!!

Ich schreibe hier über einige von vielen Ursachen von Farbtypverwechslungen, weil häufig Fragen bei mir per Mail diesbezüglich eintreffen und sich Menschen von mir Onlineberatungen wünschen, da sie nicht in meiner Nähe wohnen! Dieses Vertrauen ehrt mich sehr, aber ich kann nicht aufgrund von Fotos, die mir zugeschickt werden, Farbtypanalysen durchführen!

Deshalb fragen Sie mich bitte nicht per E-Mail nach Ihrem Farbtyp. Ich mache grundsätzlich keine Onlineberatungen und auch keine Großgruppenberatungen, denn am Ende sparen Sie kein Geld, sondern zahlen noch drauf! Ich lehne auch Aufträge von Firmen oder großen Unternehmen ab, wenn diese von mir erwarten, dass ich in zwei Stunden 10 bis 20 Mitarbeiter farbberaten und wohl möglich auch noch Stiltipps geben soll.

Das geht nicht, auch wenn ich dabei noch so viel Geld verdienen würde!

So, das musste ich mir mal wieder von meiner „Farbenseele“ schreiben, denn ich hatte in den letzten Wochen wieder so manchen „Fall“ in meiner Beratung sitzen. Mich macht das einfach traurig, denn aufgrund der aufgezeigten Missverständnisse werden viele Farbtypberatungen gar nicht ernst genommen oder unterliegen dem Vorurteil, dass man anschließend in der Farbwahl eingeschränkter sei, als vorher und man sich nicht mehr nach Farb-Stimmung kleiden könnte. Ganz im Gegenteil, denn nach einer guten Farbberatung müssten Sie eigentlich wissen, wie viele Möglichkeiten Sie dann haben, auch Ihre Lieblingsfarben weiterhin oder gerade deshalb zu kombinieren auch, wenn sie nicht in Ihrer Farbpalette vorkommen!

Weitere Artikel oder Farbbeispiele finden Sie unter

Farb- und Stilberatungen – Tipps und Trends

Schauen Sie sich auch die Vorher-Nachherbilder oder Unterschiedliche Farbtypen auf einen Blick an!

Klicken Sie auch die orangefarbenen Begriffe an, um weitere Details zu lesen oder zu sehen.

Über meine Beratungsangebote und Arbeitsweise lesen Sie ausführlich unter:

www.farben-reich.com


9 Kommentare

  1. Ein sehr aufschlussreicher Artikel, vielen Dank! Ich habe tatsächlich schon von vielen Menschen gehört, dass sie bei der Farbberatung falsch eingestuft wurden und erst eine spätere, zweite Farbberatung den richtigen Typ feststellen konnte. Besonders häufig scheint das bei Menschen zu passieren, deren Kolorit nicht in die ganz typischen Bilder der Jahreszeiten (zB aschblonder, blauäugiger Sommer oder rothaariger, grünäugiger Herbst) hineinpasst.

    Selbst habe ich rötliches Haar und falle damit wohl eindeutig in die Herbstkategorie, allerdings dazu blau-graue Augen und finde mich daher selten in den typischen Beschreibungen wieder – es sei denn die Farbe könnte auch als Petrol bezeichnet werden (das ist ziemlich genau meine Augenfarbe: http://1mhowto.com/wp-content/uploads/2015/02/grey-eyes.jpeg). Ich empfinde das zwar nicht als Petrolton, aber es würde wenigstens meine restlichen Unklarheiten bezeichnen.😉

    Liebe Grüße
    Annabell

  2. Sehr gut! Ja, dieser Artikel kann ich drei Mal unterstreichen. Ich ging vor Jahren zu einer Farb-Beratung und wurde als Sommer eingestuft, Flieder & co wäre die vorteilhafteste Farbe für mich. Ich war so überrascht, glaubte aber die Fachberaterin und kaufte mir eine neue Garderobe. Ich bekam keine Komplimente!😦 Erst als meine Mutter aus dem hohen Norden zu Besuch kam und mich sah, wurde mir bewusst wie schlecht ich aussah. „Kind, ich schenke dir eine neue Farb-Beratung!“ So getan, jetzt war es richtig; heller Herbsttyp. Ich bekam meine warmen Töne, warme Schminke zurück und fühlte mich sehr viel wohler. Einige Jahre später stand ich Model für eine Freundin die sich ausbilden lies und wurde von der Frau die quasi von Tür zu Tür ging und diese Ausbildung anbot, als Frühling eingestuft. Mir hat es richtig gut getan, diese Artikel zu lesen!🙂
    Herzliche Grüße,
    Dina

    1. Liebe Dina,

      vielen Dank für Dein Feedback. Es freut mich, dass Dir der Artikel gut getan hast.
      Ich hoffe, Du weißt aber inzwischen, was wirklich Deinem Farbtyp entspricht!

      Auf alle Fälle ganz viel Freude mit den Farben, in denen Du Dich wohlfühlst und die Dir gut tun!

      Herzliche und farbenfrohe Grüße

      Sabina

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